Tierschutzverein Achern und Umgebung e.V.
Die Tiere in dieser Präsentation sind nicht vermittelbar. Wenn Sie ein Kätzchen suchen, gehen Sie bitte auf die Seite "Tiervermittlung". 

Tier-Geschichten

Die Schriftführerin des Tierschutzvereins schildert hier die besondere Beziehung zu einer Katze in einer uns fremden Umgebung, dem Westjordanland:

Mama Mieze

Ich habe 7 Jahre in der Westbank gelebt, in Beit Jala bei Bethlehem. Dort wohnte ich im Erdgeschoss eines Hauses. Im ersten und zweiten Stockwerk wohnten meine arabischen Vermieter. Zum Haus gehörte ein sehr hübscher Garten, in dem der Vermieter von jeder einheimischen, früchtetragenden Baumsorte je einen Baum hatte. Er erlaubte mir mich bei den Oliven, Orangen, Zitronen, Mandeln, Grapefruits, Granatäpfeln und Feigen zu bedienen. Ich lebte also im Paradies.

Als dann drei Monate nach meinem Einzug auch noch eine Katze bei mir „anklopfte“, war meine Welt perfekt. Ich hatte schon immer Katzen gehabt und war einfach glücklich auch in der Westbank eine Katze versorgen zu dürfen.

Was diese eine Katze allerdings alles in Gang setzte, konnte ich damals noch nicht wissen.

Jetzt will ich zunächst einmal die Geschichte dieser Katze, die ich Mama Mieze taufte, erzählen. Weitere Geschichten werden folgen.

Mama Mieze kam an einem sehr heißen Tag auf meine Terrasse. Es hatte wochenlang nicht geregnet, alles war knochentrocken – und Mama Mieze war hochträchtig. Sie stand, obwohl als Streunerin sehr scheu, vor meiner Türe und schaute mich an. Irgendwie vermittelte sie mir, dass sie meine Unterstützung wünschte. Da ich nur 15 Minuten von den Hirtenfeldern und nur 10 Minuten von der Geburtskirche in Bethlehem entfernt wohnte, schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf: Wie Maria und Josef, die in Bethlehem eine Bleibe gesucht haben. Und so richtete ich Mama Mieze eine Schachtel mit weicher Unterlage, stellte sie vor meine Türe in eine geschützte Ecke – als Streunerin wollte sie nicht in meine Wohnung kommen – und hoffte, dass sie diese Hilfe annehmen würde.

Am nächsten Tag lag der Nachbarskater in der Schachtel und Mama Mieze war weg.

Vier Wochen später sah ich sie wieder auf meiner Terrasse. Sie stellte sich mit dem Gesicht zur Straße und miaute zwei Mal laut. Vier kleine Kätzchen folgten ihrem Ruf, rannten über die Straße auf meine Terrasse, so schnell die kleinen Beinchen konnten – und ich hatte 5 Katzen.

Mama Mieze und die Kleinen blieben bei mir. Meine Vermieter sahen das mit sehr viel Misstrauen, aus ihrer Sicht zurecht, denn es blieb nicht bei diesen fünf, doch wie gesagt, das ist eine weitere Geschichte.

Mama Mieze ist eine erstaunliche Katze. Sie lebte teils bei mir, teils in einem Olivenhain. Wir verbrachten 7 Jahre zusammen, dann musste ich nach Deutschland zurückkehren. Ich habe sie nicht mitgenommen, denn ihre Heimat war die Westbank. Sie wäre in Deutschland nicht zurecht gekommen. Ich denke sehr oft an sie.